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Wunschanalyse: Cancom SE
Geschrieben von Stephan Heibel
Veröffentlicht: 10:39 - 12.11.2018
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Herzlich Willkommen zu unserer Wunschanalyse in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de).

Cancom-Gründer Klaus Weinmann übergibt nach 25 Jahren den Staffelstab an seinen Nachfolger Thomas Volk. Die Aktie ist vor dem Hintergrund dieser Meldung eingebrochen. Gelingt es Volk, das Unternehmen reibungslos weiterzuentwickeln? Dann ist die Aktie günstig. Doch allzu häufig gab es bei solchen Staffelstabübergaben Probleme, so dass Vorsicht geboten ist. Worauf Sie achten sollten, arbeite ich in dieser Wunschanalyse heraus.

Kennzahlen der Cancom laut Sharewise.com

WKN: 541910, ISIN: DE0005419105
Kurs aktuell: 36,30€


Cloud abonnieren





Da haben Sie’s: zwei Schlagwörter in einer Überschrift! Die Cloud ist in meinen Augen einer der wenigen Börsenbereiche, der bis zum Jahresende laufen sollte. Und die Umstellung der Geschäftsmodelle vieler Unternehmen auf ein Abo-Modell sorgt zwar kurzfristig für nachteilige Umsatzverschiebungen, führt jedoch mittel- und langfristig zu einem deutlich höheren Bewertungsniveau der Aktie.

Cancom stellt um auf die Cloud und bietet seinen Kunden verschiedene Abomodelle an. Das traditionelle IT-Geschäft steuert rund drei Viertel des Konzernumsatzes bei und wuchs im ersten Halbjahr mit 9%. Aufgrund der niedrigen Gewinnmarge von 5,4% ist dieser große Bereich jedoch nur für die Hälfte des Konzerngewinns verantwortlich.

Der wiederkehrende Abo-Umsatz mit Cloud-Angeboten macht heute ein Viertel des Konzernumsatzes aus und wuchs im ersten Halbjahr mit 37%. Aufgrund der Gewinnmarge von 25% liefert dieser kleine Bereich ebenfalls die Hälfte des Konzerngewinns, Tendenz steigend.

Während beim herkömmlichen IT-Geschäft um jeden Auftrag neu gekämpft werden muss, zahlen Abo-Kunden monatliche Gebühren, bis sie den Dienst kündigen. Das überproportionale Wachstum des Cloud-Geschäfts wirkt sich mit zunehmender Größe immer stärker auf die Wachstumsrate des Konzerns aus. Wir kennen diese Entwicklung von Adobe, die Pionier dieser Entwicklung waren. SAP befindet sich mitten im Umstellungsprozess, genau wie Cancom.


Individuelle IT-Lösungen

Cancom wendet sich an IT-Abteilungen von Unternehmen, die der Komplexität der IT-Entwicklungen nicht gewachsen sind, und führt IT-Erweiterungen ein. Ob Netzwerkprojekte, ERP-Lösungen oder Medientechnik, von der Einkaufsunterstützung bis zur Cybersecurity, Cancom entwickelt mit seinen Kunden individuelle Lösungen.

Erarbeitete Lösungen werden immer stärker standardisiert und als Cloud-Angebot allen Kunden angeboten. So kann der Kunde entscheiden, ob er die Cancom-Cloud für seine Ansprüche nutzt, oder eine eigene Unternehmenscloud aufbauen möchte.

In einer Zeit, in der IT-Entwickler schon das Flair einer Diva pflegen, würde ich die Branche als „Land-Grab“ bezeichnen: Es werden nicht erschlossene Märkte erobert. Es geht darum, schnell mit Angeboten beim Kunden vorstellig zu werden, um als Erster einen vorhandenen Bedarf zu decken. Die Personalentwicklung kann mit dem stürmischen Wachstum nicht Schritt halten, also werden Kunden auf Standards in der Cloud gehievt. Das ist sowohl für die Kunden günstiger als auch für Cancom effizienter.


Gründer & CEO springt ab





Klaus Weinmann (siehe rechts) hat Cancom vor 25 Jahren gegründet. Am 30. September hat er seinen Vorstandsposten aufgegeben und strebt nun einen Posten im Aufsichtsrat an. Sein Nachfolger ist Thomas Volk, der vor nicht einmal einem Jahr in das Unternehmen eintrat.

Volk ist ein Informatiker, der sich bei Hewlett Packard bis zum Vizepräsident nach oben arbeitete und dort zuletzt für den weltweiten Vertrieb zuständig war. Anschließend machte er Station bei Sybase (heute SAP), bei der SAP-nahen IDS Scheer sowie bei einigen kleineren IT-Beratungsgesellschaften. Bei Dell war er für große Kunden der EMEA-Staaten verantwortlich.

Bei diesem Lebenslauf drängt sich die Frage auf: Wie alt ist der Kerl eigentlich? Nun, mit 60 Jahren ist Volk sicherlich ein alter Hase der Branche. Er möchte Cancom auf internationaler Ebene ausbauen und ist dafür aufgrund seiner Vergangenheit bestens geeignet. Die Cloud, Managed Services und das Beratungsgeschäft möchte Volk ins Zentrum des ehemals größten Apple-Wiederverkäufers Deutschlands stellen. Begriffe wie „Transformation“ und „Kostenmanagement“ werden also in den kommenden Quartalen Einzug in die Unternehmensberichte halten.

Gründer Weinmann gibt sich alle Mühe, seinen Abschied aus dem Unternehmen so verträglich wie möglich zu gestalten. Immerhin hat er einen Informatiker geholt, der die Entwicklungen der Branche aus technischer Sicht versteht. Doch seine Ziele klingen eher nach BWLer-Zielen, die ein vorhandenes Produkt nun ordentlich vermarkten wollen. Sprich: Marketing sticht Entwicklung.

Das wird kurzfristig dazu führen, dass Cancom eine bessere Profitabilität ausweist und auch ordentliches Wachstum zeigt. Ich denke, für die kommenden Quartale ist die Ausgangslage optimal, Volk kann eine technologisch anspruchsvolle Lösung vermarkten. Zudem hat er natürlich auch bereits angekündigt, dass das Cloudangebot von Cancom technologisch noch lange nicht dort sei, wo er es gerne hätte. Die Entwicklung wird also nicht vergessen.

Grundsätzlich vermeide ich es, in Unternehmen zu investieren, die gerade einen Wechsel auf dem Chefsessel vollzogen haben. Normalerweise sollte man dem neuen Chef erst einmal ein Jahr geben, um sich einzuarbeiten und um sich im Markt (also bei Analysten) einen Namen zu machen. Die Nachfolgeregelung bei Cancom klingt ausgereift, ich kann mir gut vorstellen, dass Volk die erfolgreiche Strategie des Konzerns fortsetzen kann.


Zweistelliges Gewinnwachstum fair bewertet

Im laufenden Jahr wird mit einem Gewinnwachstum von 20% gerechnet, für 2019 gehen Analysten von 15% aus. Die hohe Wachstumsgeschwindigkeit des laufenden Jahres ist durch überraschend viele IT-Dienstleistungsverträge verursacht worden, also „one-off“Zahlungen. 2018 war ein überraschend gutes Jahr, das die vermeintlich rückläufige IT-Beratung getroffen hat.

Für 2019 werden derzeit Konjunkturprognosen zurückgenommen, Unternehmen geben verhaltene Ausblicke. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Überraschungserfolge des Jahres 2018 wiederholt werden können. Daher erwarte ich durchaus eine Verlangsamung des Wachstums, was bei Analysten in der Regel die Alarmglocken anschlagen lässt.

Außerdem ist es üblich, dass ein CEO, in diesem Fall sogar der Gründer, sich mit herausragenden Zahlen verabschiedet. Da wird nochmals alles mobilisiert, was er in der Hinterhand hat. Es wird schwer für Volk, an diesen Erfolg nahtlos anzuknüpfen.

Doch schauen wir mal auf die Zahlen: Der Cloud-Gewinn wächst mit 50% p.a., gehen wir für den IT-Teil mal von einem stagnierenden Gewinn aus. Das heißt, 50 Mio. Euro Cloud-Gewinn werden 2019 zu 75 Mio. Euro Gewinn und die 50 Mio. Euro IT-Gewinn bleiben. Aus insgesamt 100 Mio. Euro Gewinn würden so im Jahr 2019 125 Mio. Euro Gewinn, also 25% Gewinnwachstum.






Volk (siehe links) will aber die Cloud weiterentwickeln, wird also ein wenig Geld dafür in die Hand nehmen. Es wird also schwerlich zu den 25% Gewinnwachstum kommen, die ich hier mal aus der Luft gegriffen habe. Eine Kristallkugel habe ich leider auch nicht, wir müssen uns also bis zu einem ersten Statement des neuen CEOs gedulden.

Das KGV 2019 steht bei 22 und ist damit im Falle eines Gewinnwachstums von 15-25% überaus günstig. Wird Volk das erreichen?


CEO-Wechsel in Aktienkursentwicklung sichtbar

Die Aktie von Cancom ist seit der Bekanntgabe des Ausscheidens Weinmanns von 50 auf zwischenzeitlich 30 Euro um 40% gefallen. Ich würde sagen, damit ist der Wechsel auf dem Chefsessel von Anlegern bereits verarbeitet worden. Auch der Überraschungserfolg des herkömmlichen IT-Geschäfts ist somit für das Folgejahr bereits abdiskontiert.

Sollte Volk einen halbwegs reibungslosen Übergang vollziehen, dürfte sich die Aktie schon bald wieder erholen. Für einen weiteren Kursabsturz müsste Volk das Unternehmen schon kaputt machen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein gründergeführtes Unternehmen von einem Nachfolger kaputt gewirtschaftet wird, daher würde ich diese Gefahr stets im Auge behalten. Wie oben gesagt, eine meiner Grundregeln lautet, einem neuen CEO erst einmal ein Jahr zuzuschauen. Doch Volk bringt die Voraussetzungen mit, dass dies bei Cancom nicht passiert.


Fazit

Gründer Weinmann hat den Staffelstab weitergereicht. Weinmann verabschiedet sich mit Rekordzahlen, sein Nachfolger Volk muss nun Cancom weiterentwickeln. Gelingt ihm das reibungslos, so ist die Aktie günstig. Doch oft genug sind solche Staffelstabübergaben mit Problemen behaftet, so dass ein Quäntchen Vorsicht angebracht ist.

Interessante Anlageideen arbeite ich in meinem Heibel-Ticker aus, schauen Sie doch mal rein. Wenn ich Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten soll, melden Sie sich doch einfach und unverbindlich für meinen kostenfreien Heibel-Ticker Börsenbrief

Take Share,

Stephan Heibel




Autor: Stephan Heibel, Chefredakteur & Herausgeber Heibel-Ticker.de Börsenbrief
Ersteller der Finanzanalyse




ÜBER DEN AUTOR: STEPHAN HEIBEL
Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker.de Börsenbriefs, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet. Sie können sich unter http://www.heibel-ticker.de unverbindlich eintragen.




QUELLEN: Kurse von finance.yahoo.com, Bilanzdaten und Geschäftsdaten stammen aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens sowie von der IR-Abteilung.




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